Leute, die auch im hohen Alter mit Zufriedenheit auf ihr Leben zurückblicken können, haben eines gemeinsam: Sie haben ihr Leben in die Hand genommen und fühlen sich selbst für ihr Leben verantwortlich. Das Zauberwort lautet Selbstwirksamkeit. Was es damit auf sich hat, erklärt die Psychologie-Professorin Pasqualina Perrig-Chiello.
Es gibt Theorien, welche die Persönlichkeit nach dem dreissigsten Geburtstag als ausgereift betrachten. Heisst das, ab 30 erstarrt die Persönlichkeit, der Charakter ändert sich nicht mehr?
Psychologische Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die Persönlichkeit ab 30 zunehmend gefestigt ist. Man sieht dies in den Lebensverlaufsdaten, vor allem bei Männern, dass es so etwas wie eine Konstante gibt: Wer mit 30 offen war, wird mit 60 mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht total engstirnig sein. Und jemand, der das Leben schon mit 30 eher schwer genommen hat, wird dies auch im Alter tun. Aber: Auch ab 30 lässt sich noch einiges verändern bzw. korrigieren, aber dies braucht einfach mehr Zeit und Energie.
Das heisst aber auch, dass bis 30 in Sachen Persönlichkeitsentwicklung ziemlich viel passiert?
Ja, das junge Erwachsenenalter ist die Zeit, in der junge Menschen die eigene Identität festigen, in der sie ihren Platz in der Gesellschaft sichern müssen, beruflich, partnerschaftlich oder familial. Zwischen 20 und 30 werden somit verschiedene gesellschaftliche Rollen übernommen und damit werden auch
die eigenen Grenzen und Möglichkeiten bewusst – und wenn nötig mit Nachdruck und Provokation – ausgelotet. Das alles sind wichtige Erfahrungen der Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit ist eine Schlüsselqualifikation für eine gute Lebensbewältigung, darum ist das Ausloten dieser Selbstwirksamkeit besonders in diesen Jahren ein grosses Thema.
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